Eine Sache zwischen mir und Gott

Eine spirituelle Revolution 

„Werdet gänzlich Gottes, indem ihr ganz und gar Ihm allein zu gefallen trachtet und einzig Seinetwillen lebt, indem ihr alles Unreine und Sündhafte hasset, denn Er ist wirklich Heilig.“
(Die Arche Noahs, S.39)

Fragst du dich manchmal, ob du auf dem richtigen Weg bist? Spürst du die Unruhe und die Unzufriedenheit in dir? Manchmal, wenn du eine ruhige Minute zum Nachdenken findest, manchmal dich hin und her wendest mit quälenden Gedanken an die Zukunft. Erschrocken über den Gedanken, es könnte bald vorbei sein, versuchst du krampfhaft die Gedanken beiseitezuschieben, die Augen zusammen zu kneifen und dein Gewissen auszuschalten. Verhalten wendest du dich ab und versuchst, dieses Gefühl der Leere zu unterdrücken, voranzuschreiten auf deinem Weg in diesem Leben. Das Weltliche scheint dir alles zu sein, erfüllend zu sein, ewig zu sein.

Man lebt nur einmal! Was soll’s? Ich bin nicht perfekt, niemand ist es! Es ist eine Sache zwischen mir und Gott! Ich bin ja nicht so schlimm wie die anderen! Ich versuche doch zu beten und gehe zur Moschee. Ich bin doch Teil der Jamaat.

Wenn du die Moschee besuchst, auf die Jalsa Salana gehst, Vorträge hörst und Menschen begegnest, die dich belehren wollen, dir helfen wollen – dann duckst du dich weg, beängstigt und erschrocken ziehst du dich hinter der Festung in deinem Kopf zurück. Nicht bereit, diese zu verlassen, denn es könnte zu etwas führen, dass du nicht möchtest. Es könnte zu einer Wende in deinem Leben führen, die von dir so nicht gewollt ist. Du möchtest nicht eingeschränkt leben, streng und konservativ. Wo bleibt dann der Spaß im Leben? Möchte ich zu diesen Menschen gehören, die das Kopftuch aufziehen und jeden zweiten Satz mit „In shā‘ Allāh“ beginnen? Möchte ich auf das letzte bisschen Entertainment verzichten, nicht mal mehr mit Freunden am Wochenende Shisha rauchen gehen? Mich nicht mehr modisch kleiden? Keine Lieder mehr hören?

Was ist dabei, wenn auf Hochzeiten doch getanzt wird? Was ist dabei, alkoholfreies Bier zu trinken? Was ist dabei, mit dem anderen Geschlecht befreundet zu sein, wir übertreten ja das Limit nicht. Was ist dabei das Kopftuch mal etwas lockerer zu binden? Oder sich auch mal zu schminken, das mache ich doch für mich, nicht für andere! Was ist dabei, auch mal „schwarz“ zu arbeiten oder Schwarzfahrer zu sein? Machen das denn nicht alle?

Insgeheim bewundere ich diese Menschen, die es schaffen die Barriere im Kopf zu überwinden. Das Kopftuch zu tragen, keusch zu leben, auf Weltliches zu verzichten, an Arme zu denken, sich selbst aufzugeben. Aber kann ich das? Ich kenne die Wahrheit; tief in meinem Herzen spüre ich die Sehnsucht nach der fehlenden Einheit. Doch was werden meine Freunde, die Gesellschaft, die anderen von mir denken?

„Fürchtet nicht die Flüche und Schande, womit die Welt euch überschütten möchte, denn all dies zergeht wie Schall und Rauch in der Luft. Sie können nicht den Tag in Nacht verwandeln.“ (Die Arche Noahs, S.39)

Und auch, wenn ich auf die Meinung anderer keinen Wert lege, ich Pinterest-Quotes tagtäglich poste: „Create your happiness“ oder „Be a voice not an echo“ – traue ich mich nicht, diesen Lebensweg zu beschreiten, der von der Gesellschaft verpönt ist. Schaffe es nicht, meine Stimme zu erheben, für mich. Für meinen Weg, für meinen Glauben. Ich fürchte mich vor den Fehlern aus der Vergangenheit, fürchte mich vor der Gegenwart und fürchte mich vor dem Resultat. Furcht erfüllt mein Leben so sehr, dass ich anfange, zu erstarren. Ich erstarre in meinem Fortschritt, ich bleibe stehen in meinen Gedanken, in meinem Wissen, in meinem Ziel. Gefangen zwischen zwei Fronten werde ich bombardiert von beiden Seiten und gehe langsam unter. Die Leere in mir wandelt sich zu einer mitreißenden, endlosen Strömung. In eine Dunkelheit, die mich innerlich zerfrisst.

„Was ihr fürchten sollt, das ist der Fluch Gottes, der vom Himmel kommt und die von ihm Getroffenen mitsamt ihren Wurzeln ganz und gar aus den beiden Welten ausreißt. Mit Heuchelei und allerlei Ausreden könnt ihr euch nicht retten, denn der Gott, Der euer Herr ist, kann bis in die tiefsten Winkel eures Wesens sehen. Wie also könnt ihr hoffen, Ihn betrügen zu können?“ (Die Arche Noahs, S.40)

Wir sollten uns fragen, ob wir uns der Heuchelei schuldig machen. Jedes Mal, wenn wir uns selbst betrügen und unsere Herzen vor der Wahrheit verschließen. Wollen wir die Wahrheit nicht erkennen oder kennen wir sie bereits und haben sie für uns verworfen? Bevorzugen wir es tatsächlich in der Dunkelheit zu leben, obwohl wir die Fackel in unserer Hand halten und das Licht am anderen Ende des Tunnels erkennen?

Wie erbärmlich ist unserer Zustand! Gehören nicht zu dieser Gesellschaft, akzeptieren diese Werte nicht widerstandslos und bevorzugen ein anderes Leben. Ebenso sind wir nicht so stark, das angestrebte Leben nach der Religion zu führen. Doch es ist Zeit, Stärke zu beweisen. Es ist die Zeit gekommen, dass wir unser Antlitz gen Sonne wenden und von dessen Licht und Wärme profitieren. Es ist Zeit, dass wir unsere Wünsche, unsere Belange und Bedürfnisse des Höheren willens aufgeben. Es ist Zeit, dass wir nicht mehr mit gespaltenen Beinen in zwei Welten stehen. Es ist Zeit, dass wir uns entscheiden, Mut beweisen und für uns einstehen. Es ist Zeit, der Welt zu zeigen, dass die Religion den Menschen nicht rückständig, gewalttätig oder irrational macht. Und es ist Zeit, jetzt die Hände Richtung Himmel zu erheben und an Gottes Einheit glaubend, Ihn um Rechtleitung zu bitten. Wirke heute und jetzt für eine spirituelle Revolution in dir.